Kurze Blogpause

Mittwoch, 21.10.2009 um 08:51 Uhr

Moin liebe Lesergemeinde,

wie ihr sicher schon bemerkt habt, komme ich derzeit nicht zum Bloggen. Das liegt einfach daran, dass ich gerade auf Job Suche war und in eine neue Stadt umziehe und das einfach viel Zeit braucht.

Aber ich hoffe, dass ich ab Mitte November wieder dazu kommen werde, mehr über LaTeX und Linux zu berichten. Schließlich gibt es da auch wieder eine neue Ubuntu Version, die ausgiebig inspiziert werden muss.

Bis dahin

Briefe in LaTeX

Freitag, 02.10.2009 um 15:42 Uhr

Moin liebe Lesergemeinde,

ich mache für gewöhnlich einen großen Bogen um normale Office Software, da diese für mich einfach nur umständlich ist. Deswegen liegt es nahe, dass ich auch meine Briefe in LaTeX verfasse. Dazu gibt es nur eins zu sagen: Nie war Briefe schreiben so einfach!

Im folgenden gibt es eine kurze Einführung in die Welt der Briefe unter LaTeX mit der Briefklasse scrlttr2. Die komplette Dokumentation zu Koma Skript und damit auch zur Briefklasse findet man auf BerliOS zum Download. Dort einfach zur passenden Koma Skript Version die Datei scrguide-….pdf herunterladen. Anmerkung: Die Dokumentation ist ausgesprochen gut, ausführlich und mit vielen Beispielen. Für LaTeX Schreiber ein muss.

So nun zum eigentlichen Thema. Das Grundgerüst für einen Brief besteht aus knapp 20 Zeilen:

test.tex

\documentclass{scrlttr2} % Letter Klasse des Koma-Skripts
\LoadLetterOption{test}
\begin{document}
%% Brief
%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%
\setkomavar{subject}{Mein Grund}
\begin{letter}{
Name Empfänger\\
Adresse\\
PLZ Ort
}
\opening{Sehr geehrte Damen und Herren,}
hiermit üöäß...
\closing{Mit freundlichen Grüßen}
\vskip-5em
\includegraphics[height=4em]{../dokumente/unterschrift.png}
\end{letter}
%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%
\end{document}

Gehen wir dieses Gerüst einmal durch. Als erstes wird die LaTeX Klasse scrlttr2 aus dem Koma Skript aufgerufen. Dann werden sämtliche Einstellungen für den Brief geladen. Diese befinden sich in der Datei test.lco. Dazu später mehr.

Nun beginnt das eigentliche LaTeX Dokument. Jeder Brief sollte einen Betreff haben, der wird mit der Koma Variable subject festgelegt. Nun beginnt der eigentliche Brief mit der Anschrift des Empfängers. Mit normalen \\ kann ein Zeilenumbruch hervorgerufen werden. Wichtig ist, dass hier keine Leerzeilen (Absatz) genutzt werden. Mit dem Befehl \opening legt man die Anrede im Brief fest, mit \closing demnach das Ende des Briefes. Zwischen opening und closing kommt der eigentliche Brieftext, den es zu verfassen gilt.

Mit \vskip (Position festlegen) und \includegraphics binde ich meine handschriftliche Unterschrift in das Dokument ein. Mit einer entsprechenden Auflösung sieht das Ganze ausgedruckt sogar wie eine echte Unterschrift aus.

Dann wird nur noch Brief und Dokument beendet. Das wars auch schon. So kann man innerhalb von einer Minute ein Briefgerüst verfassen, dass nach DIN in einer PDF gesetzt wird. Als Zusatz hat man gleich Falt-/Lochmarken sowie eine Rücksendeadresse für Briefumschläge mit Fenster integriert ohne sich um Abstände und irgendwelche anderen Sachen Gedanken zu machen.

test.lco

\ProvidesFile{test.lco}[2009/03/04 lco (Christian Gatzlaff)]
% Pakete
\usepackage{cmap}        % to make the PDF files "searchable and copyable" in pdf viewer
\usepackage[ngerman]{babel}    % deutschsprachig
\usepackage[utf8]{inputenc}    % utf8 encoding
\usepackage[T1]{fontenc}    % Schriftkodierung
\usepackage{lmodern}        % Computer Modern-Schrift (TYPE1-tauglich)
\usepackage{microtype}        % echter Blocksatz
\usepackage{graphicx}
\usepackage{xcolor}
\usepackage{pdfpages}        % Einbinden von PDF Seiten aus PDF Dokument
\usepackage{fixltx2e}        % Verbessert einige Kernkompetenzen von LaTeX2e
\usepackage{ellipsis}        % Korrigiert den Weißraum um Auslassungspunkte
\KOMAoptions{%
foldmarks=true,
backaddress=true,
fromphone,
fromemail,
enlargefirstpage=true,
paper=A4,    %
fontsize=12pt,    %
fromalign=left,    %
draft=false    %
}
\setkomavar{fromname}{Vorname Nachname}
\setkomavar{fromaddress}{Irgendwo 35\\
02635 Im Nirgendwo}
\setkomavar{fromphone}{03845945097}
\setkomavar{fromemail}{test@noaddress.de}
\renewcommand*{\raggedsignature}{\raggedright}
\setkomavar{place}{Im Nirgendwo}
%\@addtoplength[-1]{toaddrvpos}{20mm}
%\@addtoplength[-1]{refvpos}{20mm}

Das ist nun die text.lco, wenn man so will die Konfigurationsdatei für eigene Briefe. Hier kommen alle Einstellungen rein, die man in allen Briefen nutzen will. Neben den hier gezeigten Daten können natürlich auch ganze Briefköpfe, Firmenlogos, zusätzliche Daten etc. eingefügt werden (wichtig für Geschäftsbriefe in einem Corporate Design).

Um hier die wichtigsten Einstellungen zu erklären. Mit \ProvidesFile legt man fest um welche Datei es sich handelt, wie sie heißt, wann sie geschrieben wurden und wer der Autor ist. Der nächste Abschnitt bindet die Pakete ein, die man für seine Briefe benötigt. Hier eine kleine Auswahl, die ich nutze.

Der Abschnitt \KOMAoptions legt generelle Briefeinstellungen fest, so zum Beispiel Faltmarken, die Anzeige von verschiedenen Adresselementen, etc.

Mit \setkomavar werden die persönlichen Daten festgelegt, diese erscheinen dann in jedem Brief. Anmerkung: natürlich können auch für jeden Brief manuell diese Angaben überschrieben werden. Diese Angaben sind eigentlich selbsterklärend.

Die Zeile \renewcommand setzt den Namen unter der Unterschrift linksbündig. Lässt man diesen Befehl weg, wird der Name eingerückt (hier kann natürlich jeder für sich entscheiden, was er mag). Die Variable place, setzt neben das aktuelle Datum in Brief noch die Ortsangabe.

Die beiden letzten Zeilen sind auskommentiert. Mit diesen kann man, wenn der Briefinhalt nicht auf eine Seite passt, jedoch nur wenige Zeilen auf der nächsten Seite sind, spielen, um die Zeilen auch noch auf die erste Seite zu holen. Wenn diese Abstandsänderungen nicht gebraucht werden, kann man sie auch löschen.

So das wars, ich hoffe ich konnte euch die Einfachheit des Briefeschreibens unter LaTeX etwas näher bringen. Wenn man einmal seine Vorlage zusammen hat, kann man so schnell Briefe schreiben, wie sonst kein anderer. Im Hauptdokument lassen sich übrigens auch mehrere Briefe verfassen, indem man einfach nach dem Schließen der letter-Umgebung eine neue letter-Umgebung aufmacht.

Achja aussehen tut die PDF ohne auch nur einen Satz Inhalt geschrieben zu haben wie folgt:

test