Briefe in LaTeX
Freitag, 02.10.2009 um 15:42 UhrMoin liebe Lesergemeinde,
ich mache für gewöhnlich einen großen Bogen um normale Office Software, da diese für mich einfach nur umständlich ist. Deswegen liegt es nahe, dass ich auch meine Briefe in LaTeX verfasse. Dazu gibt es nur eins zu sagen: Nie war Briefe schreiben so einfach!
Im folgenden gibt es eine kurze Einführung in die Welt der Briefe unter LaTeX mit der Briefklasse scrlttr2. Die komplette Dokumentation zu Koma Skript und damit auch zur Briefklasse findet man auf BerliOS zum Download. Dort einfach zur passenden Koma Skript Version die Datei scrguide-….pdf herunterladen. Anmerkung: Die Dokumentation ist ausgesprochen gut, ausführlich und mit vielen Beispielen. Für LaTeX Schreiber ein muss.
So nun zum eigentlichen Thema. Das Grundgerüst für einen Brief besteht aus knapp 20 Zeilen:
test.tex
\documentclass{scrlttr2} % Letter Klasse des Koma-Skripts
\LoadLetterOption{test}
\begin{document}
%% Brief
%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%
\setkomavar{subject}{Mein Grund}
\begin{letter}{
Name Empfänger\\
Adresse\\
PLZ Ort
}
\opening{Sehr geehrte Damen und Herren,}
hiermit üöäß...
\closing{Mit freundlichen Grüßen}
\vskip-5em
\includegraphics[height=4em]{../dokumente/unterschrift.png}
\end{letter}
%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%
\end{document}
Gehen wir dieses Gerüst einmal durch. Als erstes wird die LaTeX Klasse scrlttr2 aus dem Koma Skript aufgerufen. Dann werden sämtliche Einstellungen für den Brief geladen. Diese befinden sich in der Datei test.lco. Dazu später mehr.
Nun beginnt das eigentliche LaTeX Dokument. Jeder Brief sollte einen Betreff haben, der wird mit der Koma Variable subject festgelegt. Nun beginnt der eigentliche Brief mit der Anschrift des Empfängers. Mit normalen \\ kann ein Zeilenumbruch hervorgerufen werden. Wichtig ist, dass hier keine Leerzeilen (Absatz) genutzt werden. Mit dem Befehl \opening legt man die Anrede im Brief fest, mit \closing demnach das Ende des Briefes. Zwischen opening und closing kommt der eigentliche Brieftext, den es zu verfassen gilt.
Mit \vskip (Position festlegen) und \includegraphics binde ich meine handschriftliche Unterschrift in das Dokument ein. Mit einer entsprechenden Auflösung sieht das Ganze ausgedruckt sogar wie eine echte Unterschrift aus.
Dann wird nur noch Brief und Dokument beendet. Das wars auch schon. So kann man innerhalb von einer Minute ein Briefgerüst verfassen, dass nach DIN in einer PDF gesetzt wird. Als Zusatz hat man gleich Falt-/Lochmarken sowie eine Rücksendeadresse für Briefumschläge mit Fenster integriert ohne sich um Abstände und irgendwelche anderen Sachen Gedanken zu machen.
test.lco
\ProvidesFile{test.lco}[2009/03/04 lco (Christian Gatzlaff)]
% Pakete
\usepackage{cmap} % to make the PDF files "searchable and copyable" in pdf viewer
\usepackage[ngerman]{babel} % deutschsprachig
\usepackage[utf8]{inputenc} % utf8 encoding
\usepackage[T1]{fontenc} % Schriftkodierung
\usepackage{lmodern} % Computer Modern-Schrift (TYPE1-tauglich)
\usepackage{microtype} % echter Blocksatz
\usepackage{graphicx}
\usepackage{xcolor}
\usepackage{pdfpages} % Einbinden von PDF Seiten aus PDF Dokument
\usepackage{fixltx2e} % Verbessert einige Kernkompetenzen von LaTeX2e
\usepackage{ellipsis} % Korrigiert den Weißraum um Auslassungspunkte
\KOMAoptions{%
foldmarks=true,
backaddress=true,
fromphone,
fromemail,
enlargefirstpage=true,
paper=A4, %
fontsize=12pt, %
fromalign=left, %
draft=false %
}
\setkomavar{fromname}{Vorname Nachname}
\setkomavar{fromaddress}{Irgendwo 35\\
02635 Im Nirgendwo}
\setkomavar{fromphone}{03845945097}
\setkomavar{fromemail}{test@noaddress.de}
\renewcommand*{\raggedsignature}{\raggedright}
\setkomavar{place}{Im Nirgendwo}
%\@addtoplength[-1]{toaddrvpos}{20mm}
%\@addtoplength[-1]{refvpos}{20mm}
Das ist nun die text.lco, wenn man so will die Konfigurationsdatei für eigene Briefe. Hier kommen alle Einstellungen rein, die man in allen Briefen nutzen will. Neben den hier gezeigten Daten können natürlich auch ganze Briefköpfe, Firmenlogos, zusätzliche Daten etc. eingefügt werden (wichtig für Geschäftsbriefe in einem Corporate Design).
Um hier die wichtigsten Einstellungen zu erklären. Mit \ProvidesFile legt man fest um welche Datei es sich handelt, wie sie heißt, wann sie geschrieben wurden und wer der Autor ist. Der nächste Abschnitt bindet die Pakete ein, die man für seine Briefe benötigt. Hier eine kleine Auswahl, die ich nutze.
Der Abschnitt \KOMAoptions legt generelle Briefeinstellungen fest, so zum Beispiel Faltmarken, die Anzeige von verschiedenen Adresselementen, etc.
Mit \setkomavar werden die persönlichen Daten festgelegt, diese erscheinen dann in jedem Brief. Anmerkung: natürlich können auch für jeden Brief manuell diese Angaben überschrieben werden. Diese Angaben sind eigentlich selbsterklärend.
Die Zeile \renewcommand setzt den Namen unter der Unterschrift linksbündig. Lässt man diesen Befehl weg, wird der Name eingerückt (hier kann natürlich jeder für sich entscheiden, was er mag). Die Variable place, setzt neben das aktuelle Datum in Brief noch die Ortsangabe.
Die beiden letzten Zeilen sind auskommentiert. Mit diesen kann man, wenn der Briefinhalt nicht auf eine Seite passt, jedoch nur wenige Zeilen auf der nächsten Seite sind, spielen, um die Zeilen auch noch auf die erste Seite zu holen. Wenn diese Abstandsänderungen nicht gebraucht werden, kann man sie auch löschen.
So das wars, ich hoffe ich konnte euch die Einfachheit des Briefeschreibens unter LaTeX etwas näher bringen. Wenn man einmal seine Vorlage zusammen hat, kann man so schnell Briefe schreiben, wie sonst kein anderer. Im Hauptdokument lassen sich übrigens auch mehrere Briefe verfassen, indem man einfach nach dem Schließen der letter-Umgebung eine neue letter-Umgebung aufmacht.
Achja aussehen tut die PDF ohne auch nur einen Satz Inhalt geschrieben zu haben wie folgt:


Danke für die deine Vorlage.
Ich würde gerne bei Betreff, Anrede usw. den gleichen Seitenabstand wie bei den Adressen einstellen.
Kann mir dabei jemand helfen?
@Erwin: aus dem Kopf kann ich dir das auch nicht sagen. Les dir bitte mal die Koma-Script Dokumentation Abschnitt Briefe durch. Dort wird anhand eines Beispiels so ein Briefkopf-Aufbau erklärt. Ist sehr gut beschrieben.
Hallo!
Gefällt mir gut deine Vorlage, vor allem das mit der Unterschrift finde ich genial – sieht sehr persönlich aus
EIn Problem das sich mir stellt – darauf habe ich noch nirgends eine Lösung gefunden – möchte ich kurz beschreiben.
Ich habe eine Briefvorlage in Word mit einer eingebundenen Grafik für das Logo und meine Daten darunter aber alles im Kopf und auf der rechten Seite des Briefkopfes. Die linke Seite ist frei nur darunter das Adressfeld wie in deinem Beispiel. Würde das gerne in die LaTeX-Umgebung einarbeiten als Vorlage. Gibts da eine Idee dazu?
Vielen Dank
Erwin
Hallo,
vielen Dank für die tolle Vorlage, hat mir sehr gut gefallen.
Es gibt auch noch tk-brief als GUI fuer Latex (Serien-)Briefe:
http://www.linux-user.de/ausgabe/2003/05/030-tkbrief/index.html
Also, danke für deinen Blog. Ich finde es super, wenn man mal Alternativen zu den gängigen Programmen aufzeigt und was alles machbar ist. Aber wie 15. schon andeutet, um ein annehmbares Ergebniss zu erzielen, ist die Lernkurve schon extrem steil. Und um -mal- einen Brief zu erstellen, ist der Aufwand zu überproportional und nicht rationell. (Es sei denn, man entwickelt gerade sein privates “Corporate Identity”
Besser finde ich, mal zu zeigen was man mit Latex machen kann und was alle anderen Office-Programme nicht können. Ich habe da zum Beispiel festgestellt, das man mit keinen Office-Programm wirklich vernünftig und auch ansehnlich Songtexte setzen kann. (Das geht jetzt mal an die Adresse aller Gitarristen und Musiker, die mit Akkorden musizieren)
Nur Latex mit dem Modul Songbook kann da ein wirklich überzeugendes Ergebnis liefern.
Wer kennt das als Musiker nicht: man hat einen Lyrics, schreibt den in einem Office-Programm und versucht dann, über den entsprechenden Passagen einen Akkord zu platzieren.
Meist geht das nur mehr schlecht als recht, weil der Akkord sich nie genau über den jeweiligen Buchstaben der unteren Zeile platzieren lässt. Das kommt daher, weil die Zeichenbreite der oberen Zeile meist anders ist als die untere. Und wehe man ändert mal was an der Zeichengröße oder ein wort in der Zeile und die ganze Formatiererei und das Ausrichten geht wieder von vorn los. Natürlich kann man das mit einer Mono-Space-Schift wieder ausgleichen, aber schön sieht anders aus!
DAS kann mit Latex und Songbook nicht passieren, da die Griffe mit in den Text werden und dadurch bei der Übersetzung in ein PDF immer wieder an der richtigen Stelle sind.
Und natürlich hat es ein Super Schriftbild, was auf der Bühne sehr wichtig ist, und eine automatische Indexerstellung und vieles praktisches mehr.
Das war jedenfalls der Grund, warum ich mich mit LaTeX beschäftigt (und natürlich auch eine Menge gelernt) habe.
Wer in dieser Richtung Interessen hat, sollte sich das auf jeden Fall mal anschauen.
Gruss ninjee
Super, danke;
schön nochmal was anderes kennen zu lernen. Nutze sonst g-brief, auch super einfach, wenn man die Vorlage einmal gebastelt hat. Insgesamt bin ich bei Briefen mit LaTeX genauso schnell wie mit openoffice und es sieht einfach top aus.
@ die die LaTeX nicht kennen und Openoffice benutzen:
wenn ihr mit Openoffice zufrieden seid, nutzt es doch!
das schöne an solchen Vorlagen ist einfach: man hat ohne viel arbeit einen Brief, der gut aussieht und den man dann schnell und ohne große mühe schrieiben kann…
Hallo,
nette Anleitung. Aber ihr solltet mal den Brief Assistenten von Openoffice ausprobieren. Der erstellt euch ganz einfach Briefe nach DIN Norm mit wenigen Klicks.
Einfach “Datei->Assistenten->Brief…” auswählen. Danach ist es kinderleicht und benötigt auch keinerlei Vorlage.
g-brief ist auch gut
Als Autor von dem von Anke (erstes Posting) erwähntem “tfbrief” möchte ich auch ein Kommentar zu scrlttr2 abgeben. Für mich gab es damals zwei Gründe, die tfbrief-Klasse zu entwickeln: Zum einen um LaTeX-Klassenerstellung etwas besser zu lernen, zum anderen empfand ich das Design (zumindest was der Benutzer sieht) etwas unsauber. Auf die Gefahr hin, dass das etwas negativ klingen mag, meine Kritik an scrlttr2 an zwei Punkten: Bei der Empfängeradresse gibt es keine Struktur, sodass man manuell Formatierungen wie z.B. fettgedruckt oder gesperrt für PLZ und Stadt angeben muss, anstatt diese Formatierung der Klasse zu überlassen.
Wenn der Benutzer \date{..} oder \author{..} von anderen LaTeX-Klassen gewöhnt ist, warum muss der Betreff mit einem “umständlichen” Befehl wie \setkomavar{subject}{Mein Grund} statt nur \subject{Mein Grund} angegeben werden?
Ich empfehle daher jedem, die möglichen Briefklassen wie letter, scrlttr2, tfbrief und die anderen von CTAN zu vergleichen und diejenige zu wählen, die nach Funktionsumfang und Bedienkomfort am besten passt. Würde mich natürlich freuen, wenn ihr euch für tfbrief entscheiden würdet…
Ich bin bei der Suche nach einer Briefvorlage/-klasse für LaTeX auf tfbrief () gestoßen. Das ist eine Nummer kleiner als das, was scrlttr2 bietet, aber für meine normale Briefschreiberei ausreichend und einfach zu benutzen.
Das Stichwort Bewerbung ist hier gefallen, im PracTeX-Journal gab es mal einen Artikel, in dem Klassen und Pakete zum Verfassen von Lebensläufen vorgestellt werden (). Bin jedenfalls fündig geworden.
@Barristan – klar kann man sich auch ne Office Vorlage runterladen. Man muss halt schauen was man will. Ich habe in LaTeX ne Vorlage in 5 Minuten zusammen, in Office würde ich deutlich länger brauchen (sicherlich Übungssache)
Außerdem kann eine Vorlage in LaTeX gegen (versehentliches) Editieren gesichert werden (ich denke da an irgendwelche Büroleute, die immer rumheulen, dass ihre Vorlage wieder total komisch aussieht in Office), indem man die Zugriffsrechte nur auf lesen setzt, oder den Leuten sagt, dass sie in einer .lco Datei nichts zu suchen haben. Allerdings weiß ich nicht, ob man Vorlagen in Office ähnlich gegen Editieren schützen könnte.
@Micha – die Unterschrift ist eingescannt und transparent gemacht, und dann so implementiert wie in der Vorlage zu sehen. Mit dem \vskip kann man die Unterschrift dann so ausrichten, dass sie die Schrift überlagert.
@Jazz
Warum lädst du dir nicht einfach eine der unzähligen DIN-Briefvorlagen aus dem Netz für Office runter, dann musst du auch dort nichts mehr herumprobieren.
Aber richtig die ganzen Firmen (die ja 90% Office verwenden), die messen sicher auch jedes Mal nach, damit man das Adressfeld auch im Umschlag sieht, was?
thx für die geniale Vorlage + Anleitung. Kam genau richtig, wo ich doch grad ne Bewerbung für’s Praktikum schreiben muss ^^
Ich finde Bericht auch sehr gut. Ich schreibe meine Briefe auch seit Jahren mit einer Latex-Vorlage.
Ich habe allerdings auch noch mal eine Frage zu der Unterschrift. Wenn man eine Unterschrift einscannt und mit transparentem Hintergrund speichert, wird sich das Bild dann automatisch über den Text legen? Also so wie es bei dir zu sehen ist? Oder hast es es mit dem Grafiktablett unterschrieben?
@Freund Hansen – Vorlage nehmen und Brieftext schreiben nennst du aufwendig? In Office muss ich erst Ausmessen, wo jetzt mein Briefumschlagfenster ist und muss mich um die genaue Ausrichtung im Dokument kümmern – das nenne ich umständlich.
@produnis: doch die sieht man, das sind sehr schwache Striche am linken Rand, ausgedruckt sieht man die besser
@Daniel:
Unterschreiben auf weißem Papier, Scannen und in ne png mit transparentem Hintergrund einfügen – oder man hat nen Grafiktablet und unterschreibt direkt
Sehr schöner Beitrag. Ich Texe meine Briefe auch seit Jahren. Gerade wenn man eben ein förmlich Schreiben verfasst kommt man mit LaTeX deutlich schneller zum Ziel als mit jedem Textverarbeitungsprogramm. Für viele Dinge habe ich mir auch Skripte erstellt, so dass ich mit einem Kommando meinen Brief praktisch fertig habe
Hi!
Danke für die schöne Aufbereitung, da macht Briefe schreiben wieder Spaß! Wie Hast du das mit der Unterschrift so gut hinbekommen, dass die über die Schrift geht??
Sorry, ich kann erstens nicht verstehen, was an der normalen Office Software umständlich sein soll – öffnen, Brief schreiben, fertig – und zweitens in keiner Weise nach voll ziehen, warum ich da lieber anfangen sollte, mein tolles Dokument zu coden!
Unter einfach verstehe ich etwas anderes.
Da wärs ja sogar noch einfacher, sich mit Html und CSS zu behelfen!
Danke für deine Vorlage,
hmm.. auf dem PDF sieht man die Loch- und Faltmarken gar nicht…
“Nie war Briefe schreiben so einfach! *ellenlange Abschnitte mit kryptischem Code zeig, in den sich Nicht-LaTeXer einen Monat einarbeiten müssen”
Sofern es sich immer um Standardformate handelt, ist das natürlich eine schöne Sache. Dumm nur, wenn man etwas formlosere Briefe herstellen möchte und z.B. die Ausrichtungen ändern will. Das heißt wieder Arbeit.
Aber danke für die Anleitung, findet einen Weg in meine Lesezeichen